NaNoWriMo? Eher NajaNoWriMo

Kurz hatte ich ernsthaft in Betracht gezogen, meinen großkotzigen Beitrag, den NaNoWriMo zu rocken wie Def Leppard die 1980er, stillschweigend zu löschen. Hatte ich ja praktischerweise schon im besagten Beitrag angedacht. Doch dann fiel mir auf, dass die 80er schon eine Weile vorbei sind und ich den NaNoWriMo eben rocken würde wie Marius Müller-Westernhagen: So’n bisschen, aber bloß nicht zu doll.

Eigentlich hätte ich’s bei jeden Blick auf meinen überfluteten Terminkalender wissen müssen, doch ich bin wohl einfach zu stur. Sie sehen: Den November des Grauens. Jeder Punkt ein Termin. Man möchte sich in einem Bunker vor der Welt verstecken.

Kalender of Doom

Doch bevor ich mich hier selbst überhole, fange ich mit der positiven Nachricht an: Von meinen optimistisch geplanten 70.000 Wörtern für den zweiten Knüppel-und-Arndt-Fall »Giftgold« hab ich 30.000 geschafft. Naja.

Alles, was jetzt folgt, klingt wie miese Ausreden, lahme Rechtfertigungen, billige Entschuldigungen und erbärmliches Selbstmitleid, wenn euch solche luschigen Details also nicht interessieren, könnt ihr nach dem folgenden Satz aufhören, zu lesen: »Giftgold« kommt Anfang 2016 und wird super.

Trotzdem war der November nicht mein Freund, was aber nur wenig mit dem Konzept des NaNoWriMo an sich zu tun hatte. Lassen wir direkt die langweiligen Termine und Verpflichtungen weg, denn die stehen ja grundsätzlich im Weg.

Alles begann … mit einem schweren Fall der Männergrippe. Dazu muss ich erläutern, dass ich allerdings nicht das klassische (also beinahe tödliche) Krankheitsbild der Männergrippe erfülle, weil ich sämtliche Symptome körperlichen Gebrechens so lange ignoriere, bis man mich unter Waffengewalt ins Bett zwingen muss – »man« war in diesem Fall natürlich Frau Rabengut-Kingsley. Drei Tage verloren. Aber hey, viel „Hearthstone“ gespielt und alle Schätze in »Uncharted 2« gefunden, was natürlich auch fast so produktiv war, wie einen Roman weiterzuschreiben.

In meinem krankheitsinduzierten Fieberwahn hatte ich so wenigstens Zeit, über das merkwürdig schleppende Gefühl nachzusinnen, das mich jedes Mal ereilte, sobald ich die ersten Kapitel von »Giftgold« gelesen hatte. Irgendetwas am Erzählfluss war optimierungsbedürftig.

Gleich einem güldenen Sonnenstrahl, der an einem gar tristen Tag durch die düstergraue Wolkendecke bricht, erschien mir schließlich die Erkenntnis: Zwischen meinen Verdächtigen trieb sich eine überflüssige Figur herum. Allerdings brauchte ich von dieser Figur sowohl Tatmotiv als auch Dialogfragmente, also war Umplanen angesagt. Ein fragiles Konstrukt, so ein Kriminalroman. Doch wie der Kartenhausarchitekt, der ich eben bin, gelang es mir in einer zweitägigen Umgestaltungsaktion, auf die Tine Wittler stolz gewesen wäre, den Roman in jeder Hinsicht aufzuhübschen.

Jetzt ist alles da, wo es hin soll, und besagte überflüssige Figur ist den undankbarsten Tod gestorben, den eine Krimi-Figur sterben kann: Den Tod auf dem Planungsbrett (in meinem Fall eine mit Post-Its zugekleisterte Tür) außerhalb der Geschichte. Ruhe in Frieden, Friederike Neuhaus. Niemand wird dich jemals vermissen.

Beinahe den kompletten Rest des Monats hat mich Frau Rabengut-Kingsleys Turbo-Prozess eingewickelt. Denn neben „Autor“ steht auf meiner Visitenkarte noch

»Grausamster Lektor des Universums«

»Bester Printausgabenbauer der Galaxie« und

»Allerbester Nochmal-Printausgabenbauer seit Anbeginn der Zeit, weil in einer Taschenbuch-Version vom besten Printausgabenbauer der Galaxie die ersten 40 Seiten aus einem immer noch unklaren Grund nicht nummeriert waren«.

Meine Visitenkarten kommen übrigens im A3-Format.

Und dann war da noch die Sache mit »Hinter verschlossenen Türchen«. 24 Geschichten von 23 Schweinisachenautoren (Frau Rabengut ist zweimal dabei – wie gesagt: Turbo-Prozess) wollte und konnte ich mir natürlich nicht entgehen lassen, immerhin fällt es eindeutig in meine Visitenkarten-Jobbeschreibung. Neben Schreiberin von drei Geschichten (die dritte kommt von Mia Kingsley, die ja streng genommen auch Frau Rabengut ist) war meine werte Gattin zusätzlich noch Herausgeberin der Anthologie. Im Anschluss an das Korrekturlesen, bei dem glücklicherweise Autorenkollegen geholfen haben, musste schließlich noch irgendwer die Taschenbuch-Ausgabe basteln… Und wir kennen natürlich genau den richtigen Mann für diesen epischen 420-Seiten-Job. Was für ein Zufall.

Aber: Alles halb so wild. Zum einen war vor allem »Hinter verschlossenen Türchen« einfach wichtiger als »Giftgold«, immerhin gehen alle Erlöse des Projekts an »Die Tafel«, zum anderen will ich den zweiten Fall für Knüppel und Arndt natürlich trotzdem zackig fertig bekommen. Wird Zeit.

Nur dieses Kratzen im Hals, das stört irgendwie …

Advertisements

2 Gedanken zu “NaNoWriMo? Eher NajaNoWriMo

  1. Männergrippe…Aha. Termine…Pfff. Ich ahne woher der Wind weht 😉

    Lösungsvorschläge:

    – Telefon aus der Wand stöpseln.
    – Handy in der vollen Badewanne versenken.
    – Router auch zackig in die Badewanne!
    – Unterhaltungselektronik jeglicher Art im nächsten Flüchtlingsheim abgeben. Die haben nicht viel zu lachen sonst.,..
    – Frau mindestens einen Monat in ein Wellness-Hotel absch…ehm…abgeben.

    Zusammenfassung:

    30.000 Wörter geht doch schon mal! Ich freue mich schon auf den zweiten Fall 🙂

    Gefällt 1 Person

    • Grundsätzlich hervorragende Ideen – bis auf die mit der Frau. Die bleibt schön hier, sonst ist mir noch langweilig, und das wäre ja kaum auszudenken.

      Allerdings habe ich keine Badewanne, in der ich Handy und Router versenken könnte. Natürlich würd’s auch ein volles Waschbecken tun, aber das wär nicht so dramatisch. Also werde ich mich jetzt ausgiebig damit beschäftigen, eine neue Wohnung incl. Wanne zu suchen und hoffentlich zu finden. Dieses Unterfangen und der Umzug dauern bestimmt nicht sooooo lang. Neues Veröffentlichungsfenster für “Giftgold”: Irgendwann zwischen 2018 und 2019. 😉

      Jedenfalls danke! Freut mich, dass Sie sich drauf freuen. Ich geb Gas. Vielleicht wird’s ja doch noch 2017 was.

      Gefällt mir

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s